Haben Sie eine Kundenkarte – sammeln Sie auch Punkte?
Sep 8th, 2008 | By Janine | Category: ReiseSammeln Sie auch Payback Punkte? Haben Sie die Budni Karte? Soll ich von der Douglas Karte auch abbuchen? Ihre Bahnkarte bitte? Super, noch ein Kaffeepunkt und schon bekommen Sie den nächsten umsonst! Sie müssen nur 800 Kilometer fahren und immer bei Shell tanken, dann lohnt sich die Mitgliedschaft im ADAC. So und so ähnlich werde ich jeden Tag ungefragt von Kassiererinnen nach meiner Kundenkarte gefragt…
Meist reagiere ich dann sehr verärgert mit einem klaren “Nein”. Früher habe ich auch mal investigativ nachgefragt, wie viel ich denn kaufen müsste, damit die Karte sich rechnet? Wie viel Rabatt dass denn in Prozenten wäre? Oder was denn mit meinen Daten genau gemacht wird? Aber das ist mir inzwischen zu langweilig. Ich möchte nämlich eigentlich gar nicht auf Fragen antworten, sondern einfach nur bezahlen. Ich möchte mich nicht unterhalten sondern mein Geld loswerden. Ich will auch nicht sammeln sondern kaufen.
Ein paar Karten habe ich allerdings auch. Damit ich mich nicht so schlecht fühle, wenn ich meine Geldbörse aufmache. Damit ich auch zeigen kann, dass ich dazu gehöre. Eine dieser Besserfühlkarten ist die Hilton Honours Karte. Die mir diese Hotelgruppe unaufgefordert nach zahlreichen Aufenthalten dort zugeschickt hat – gleich in doppelter Ausführung, übrigens. Diese blaue karte schleppe ich nun immer mit mir rum und bekomme regelmäßig dazu auch noch blaue Briefe in denen steht wie viel Punkte ich schon angesammelt habe, und das ich nur noch 2. Millionen mal im Hilton meiner Wahl übernachten müsste um eine Nacht kostenlos im Hilton Seychellen übernachten zu dürfen (bei 10 Übernachtungen ist die 11 dann frei). Diese Gutfühlkarte steckt also zwischen meinen Kreditkarten.
Neulich habe ich dann in dieser – meiner Lieblings – Hotelgruppe übernachtet. Mit meiner Kundenkarte. Durch die die Hilton Kette im besten Fall alles über mich und meine Vorlieben wissen müsste. Das hat nicht funktioniert. Es fing schon damit an, dass sich kein Portier vor dem Hotel befand. Die Information, dass dies für mich einen großen, nahezu entscheidenden Wert hat, mit einem schweren Koffer, einem zu parkenden Auto, einer Laptoptasche und einer Handtasche hatte sich anscheinend nicht verwertbar dargestellt. Ich habe dann alles aus dem Auto getragen und kam nass geschwitzt und kurz vorm Bandscheibenvorfall an der Rezeption an. Die unfreundliche Rezeptionistin teilte mir ein Zimmer zu. Im 5. Stock (wieder Fehler in der Kartenkommunikation). Dahin habe ich dann mein ganzes Gepäck geschleppt um festzustellen, dass es sich um ein unheimlich kleines Einzelzimmer ohne Badewanne handelte. Also bin ich wieder runter, immer noch ohne Hilfe des Portiers. Habe mich beschwert und um ein Upgrate gebeten. Und promt viel mir die kleine blaue Karte ein. Ja, dachte ich, sie nützen doch bestimmt was, die Wohlfühlkarten! Die sagen, dass ich ein ehrenwerter Kunde bin und spätestens 2314 genug Punkte für die gratis Übernachtung zusammen habe! Also habe ich der unfreundlichen Frau meine Karte auf den Tisch gelegt. Und sie erwartungs- und hoffnungsvoll angeguckt. Was sie nur abfällig mit: das ist ja nur die blaue Karte quittierte. Damit kriegen sie nix.
Was für einen Sinn haben denn Schlechtfühlkarten? Das würde ich das Hilton in Köln gerne mal fragen. Die blaue Karte ist jetzt zerschnitten im Papierkorb.
Und dem Hilton zeige ich jetzt die rote Karte.